Kaufmannskirche St. Gregorius

Kaufmannskirche St. Gregorius

Die Erfurter Kaufmannskirche, heute eine von fünf evangelischen Innenstadtkirchen der Thüringer Landeshauptstadt, verdankt ihre Gründung Fremden. Friesische Kaufleute gründeten im 11. Jahrhundert am Handelsplatz, dem Anger, Kreuzung der Handelsstraße von West nach Ost, der VIA REGIA, von Straßbourg nach Kiew, und von Süd nach Nord, von Nürnberg nach Hamburg, diese dem Heiligen Gregor, Bonifacius und Leib Christi geweihte Kirche.
In ihrer Frühgeschichte ein multifunktionaler Raum, der Kaufleuten zu Gebet dient, in dem Handelskontrakte geschlossen werden und wo wertvolles Handelsgut gelagert wird.

Immer wieder verbindet sich die Geschichte der Kirche mit Geschichte der Stadt:


Anlässlich gewaltsamer Ausschreitungen, die die Einführung der Reformation in der Stadt begleiten, predigt Martin Luther am 22. Oktober 1522 in der Kirche über die Reformationsziele und gibt damit einen Beitrag zur Entspannung und zum Zusammenleben von Protestanten und Katholiken in der Stadt. Von 1636 bis 1650 ist die Kirche Kirche der Schwedischen Garnison. Der schwedische Stadtkommandant Oberst Caspar Ermes und seine Frau werden hier beigesetzt. 1780, am Ende der kurmainzischen Zeit, lässt der katholische Stadtkommandant für seine evangelische Frau im ersten Geschoss des Nordturmes eine Kirchenloge bauen, die Knorrsche Kapelle. Im Herbst 1989 versammeln sich am 7. Oktober, 18 Uhr viele Menschen der Stadt zum Gottesdienst, um neues Denken und Handeln zu buchstabieren. Der Gottesdienst muss wegen großem Besucherandrang wiederholt werden und ist für die Erfurter Anfang gewaltloser Selbstbefreiung aus der Diktatur des Weltanschauungsstaates und einer gewaltsam herbeigeführten Zweistaatlichkeit Deutschlands.

Ebenso ist die Kirche mit Kunst- und Kulturgeschichte verbunden. Die Eltern von Johann Sebastian Bach, Johann-Ambrosius und Elisabeth, werden 1668 hier getraut. Der gotische Chorraum veranschaulicht in seiner Ausstattung 40 Jahre Thüringer Renaissance aus der Erfurter Steinmetz- und Holzbildhauerwerkstatt Hans Fridmann der Ältere (gestorben vor 1605) und Hans Fridmann der Jüngere (gestorben um 1628). Künstlerischer Ausdruck, handwerkliche Fertigkeit, architektonische Gestaltung, Formen- und Materialvielfalt erscheinen aus Stein und Holz, als Plastik oder Relief, in Epitaphien (Hans Ziegler 1584, Wolfgang von Tettau 1585, Sigismund von der Sachsen 1593), Kanzel (1598), Taufstein (1608) und Altar (1625). Die Kanzel veranschaulicht gut 50 Jahre nach Luthers Tod evangelische Lehre im ikonographischen Programm. Die vom Bürgertum, den ratsfähigen Bürgern der Stadt, getragene kunstgeschichtliche Periode der Renaissance erhält ihre Ausformung in der Kirche des Bürgertums.


Ein Gemälde, das den 1680 verstorbenen Senior, Universitätsprofessor und Pfarrer an der Kirche, Magister Nikolaus Stenger, zeigt, enthält im Hintergrund die erste authentische Ansicht der Kaufmannskirche. Die auffällige, für Erfurt charakteristische, doppelte Ostturmanlage zeugt vom ersten, beim Stadtbrand 1291 zerstörten Bau. Der gotische Südturm bekommt im 19. Jahrhundert einen neogotischen Aufbau. Der unvollendete Nordturm erhält 1684 seine malerische Barockhaube.
Die dreischiffige, querschifflose Pfeilerbasilika mit polygonalem Chorabschluss stellt heute mit ihren 1250 Quadratmetern Grundfläche im Herzen der Stadt für jedes Jahr Stadtgeschichte einen Quadratmeter zur Verfügung.
Die doppeltürmige Stadtkirche eröffnet sich so als Langzeitkirche mit doppelten Inhalt:
als Gewordene, gestaltete Historie und als Werdende, historisch Gestaltende.

Kontakt

Kaufmannskirche St. Gregorius

Anger 80
99084 Erfurt

0361 2626962 (Gemeindebüro)
0361 64439861
Kontakt / Reservierung

Öffnungszeiten

Siehe Internet:
www.evkaufmannsgemeinde.de



Bilder

Kaufmannskirche in Erfurt
Blick zum Altar
Altar 1625, Werkstatt Hans Fridmann d. J.
Nikolaus Stenger

Lage



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