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Herzen Deutschlands

Porzellan Made in Thüringen



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Thüringen kann sich rühmen, im Hinblick auf seine Porzellan-Herstellung auf eine über 250-jährige Handwerkstradition blicken zu können, deren Wurzeln bis weit ins 18. Jahrhundert reichen. Ob die Triptiser Porzellanfabrik, die Porzellanfabrik in Kahla oder die fürstliche Porzellanmanufaktur Schwarzburg am Stammsitz zu Schloss Heidecksburg in Rudolstadt - Handwerk und Kunst rund um das weiße Gold hat es in diversen Manufakturen zur Meisterschaft gebracht, deren Erzeugnisse bis heute ihren festen Platz unter deutschen Spitzenerzeugnissen haben.

Die Thüringer Porzellan-Manufakturen haben die Geschichte und Entwicklung des "Weißen Goldes" in Europa bis in die heutige Zeit maßgeblich mitgeprägt. Vor über 200 Jahren noch ausschließlich Fürstenhäusern, reichen Kaufleuten und betuchtem Bürgertum als Luxusgut vorbehalten, ist es heute zum festen Inventar eines Haushaltes für Jedermann und gängiger Bestandteil eines gedeckten Tisches geworden.

Günstige Bedingungen

Die Entwicklung hin zu einer eigenständigen Porzellan-Fertigung wurde durch das Vorkommen von Rohstoffen (Kaolin, Quarzsand, Feldspat), von Holz und Wasserkraft sowie von geeigneten technischen Anlagen (Glashütten, Bergbau) und gut ausgebildeten billigen Arbeitskräften begünstigt. Eine Eigenheit der Porzellanherstellung in Thüringen war von Anfang an, dass vor allem Erzeugnisse für den täglichen Bedarf des aufstrebenden Bürgertums hergestellt wurden, jenseits von hochherrschaftlichen, fürstlichen Ansprüchen. Dementsprechend waren die Betriebe ohne Zuschüsse des Landesherrn von Anfang an gehalten, in freiem unternehmerischem Geiste wirtschaftlich autark zu arbeiten, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Eigenes Gepräge

So waren die eigenständigen Erzeugnisse der ersten Produktionsstätten in Kloster Veilsdorf, Limbach und Rauenstein konkurrenzlos günstig und ausschließlich für den bürgerlichen Haushalt gedacht. Bereits in den ersten Jahrzehnten entwickelte das Thüringer Porzellan seinen eigenen, unverwechselbaren Charakter: kraftvoll, frisch-naiv und immer am Puls der Zeit. So schlicht und schnörkellos, wie die alltäglichen Gebrauchsgegenstände daherkamen, so gewappnet waren sie dann auch für die einsetzende Massenproduktion im Industriezeitalter des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Einhergehend mit einem wachsenden Bedarf vollzog sich ein Strukturwandel, der zu einem allmählichen Sterben der Eisenhütten, dem verkehrsgünstigen Ausbau des Schienennetzes und einem markanten Anstieg der in Thüringen ansässigen Herstellungsbetriebe führte, die sich zunehmend auf überregionale Absätze konzentrierten und am Weltmarkt orientierten.

Industrielle Massenproduktion

So stieg die Zahl der Beschäftigten im deutschen Kaiserreich dramatisch an. Um die Jahrhundertwende arbeitete rund die Hälfte aller Werktätigen in der thüringischen Porzellanproduktion. Mehr als die Hälfte aller deutschen Porzellanbetriebe waren in Thüringen beheimatet. Um 1900 war Thüringen gesamtdeutsches Zentrum der Porzellanherstellung. Seit den 1880er Jahren wurden in größerem Umfang auch Sanitär- und technische Artikel gefertigt. Und selbst heute stellen noch rund 15 Betriebe im Freistaat Porzellane her, so etwa die

-    Aelteste Volkstedter Porzellanmanufaktur, Volkstedt (gegründet 1762)
-    Porzellanmanufactur Plaue, Volkstedt (1817)
-    KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH, Kahla (1844)
-    Gilitzer Porzellan Manufaktur, Merkers
-    Wagner & Apel GmbH Porzellanfiguren Lippelsdorf, Gräfenthal (1877)
-    Porzellanfabrik Triptis, Triptis (1892)
-    Manufaktur Müller & Co., Volkstedt (1907)
-    Porzellanmanufaktur Rudolf Kämmer, Volkstedt (1912)
-    Porzellanmanufaktur Christel Kämmer, Volkstedt.

Thüringer Porzellan heute

Dabei sind die Produktionsschwerpunkte unterschiedlich gelagert. Während sich etwa die Sitzendorfer Porzellanmanufaktur traditionell auf kunstvolle Figuren, Tafelschmuck, Uhren und Lampen konzentriert hat, wird bei Wagner & Apel stärker auf natürlich wirkende Tierfiguren, Kinder- und Märchenfiguren oder auch farbenprächtige Vögel gesetzt. Als dekorative Zier-Unikate sind sie besonders als dekorative Schaustücke und Sammlerobjekte für die Vitrine gedacht. Über 3000 Modelle bilden mit viel Liebe zum Detail den Formenschatz der Manufaktur.

Mit kreativer Lust an modernem Design dagegen spielt vor allem die Porzellanmanufaktur Reichenbach, während noch heute in Rudolstadt von der Albert Stahl Manufaktur figürliche Luxusporzellane hergestellt werden. Mit hohem Anteil filigraner Handarbeit werden dabei die Figuren bis in die heutige Zeit hinein in Einzelteilen gefertigt und dann zusammengesetzt. Neben Tierfiguren befinden sich etwa noch Bierkrüge und Kerzenhalter im aktuellen Artikelsortiment, das sich aus einem schier unerschöpflichen Schatz an Formen speist. Er reicht bis in das Jahr 1848 zurück.

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Unter Becherfans ist die Könitz Porzellan GmbH ein Begriff. Am Rande des Thüringer Waldes gelegen, erfreut sich vor allem das umfangreiche Kaffeebecher-Sortiment überregionaler Bedeutung. So entstand dort von 1984 bis 1986 die modernste Becherfertigungslinie Europas. Becher aus Könitz sind heute weltweit von Europa über Amerika, Kanada bis in den asiatischen Raum und Australien anzutreffen.

Eigene und freie Künstler können die Becher und Tassen auf spezielle Käuferwünsche nach Vorbestellung hin bemalen. So sind Sonderanfertigungen wie Namensbecher zum Abitur oder Becher mit eigenem Vereinslogo bestellbar. Alternativ dazu können die Erzeugnisse in allen Größen und erdenklichen Designs im Werkverkauf auch als frei gestaltbare Weißware bezogen werden. Als ideale Grundlage für eine individuelle Ausgestaltung und Veredlung kann der Nutzer dann auch auf eigene Faust anschließend Becher und Tassen bedrucken lassen und als Werbegeschenk nutzen. Dabei hat er die Qual der Wahl und kann aus einer Vielzahl an Formen für Tee, Kaffee oder heiße Schokolade seine Auswahl treffen.

Ein breites Spektrum an Porzellanartikeln ist auch für die neue Porzellanfabrik in Triptis charakteristisch, die ihr Sortiment vom Haushaltsporzellan über hochwertiges Hotelgeschirr bis hin zum innovativen, induktionsgeeigneten Kochgeschirr vergleichsweise breiter aufgestellt hat.

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Tag des Thüringer Porzellans

Um sich einen möglichst umfassenden Überblick über die verschiedenen Produktionslinien und -Schwerpunkte thüringischen Markenporzellans zu verschaffen, lohnt ein Besuch des Tages des Thüringer Porzellans am 07. und 08. April 2018: Manufakturen, Institute und Porzelliner, Museen und Ausstellungen geben an insgesamt 19 Standorten spannende Einblicke in ihre Arbeit. Auf verschiedenen Märkten im Freistaat werden kunstvolle Porzellanobjekte angeboten. Dazu laden auch kreative Workshops zum Mitmachen ein, während Musiker und Künstler in die klangvolle Welt des weißen Goldes einführen wollen. Und auch die Kulinarik kommt wie jedes Jahr nicht zu kurz: Sterneköche und Sommeliers entführen die Besucher in ihre Welt der Genüsse.

Im letzten Jahr fand die Eröffnungsveranstaltung zum Jubiläum im Porzellanium in Triptis statt, aus Anlass des 125-jährigen Bestehens der Porzellantradition vor Ort. Im kommenden Jahr steht die Veranstaltung unter dem Vorzeichen des zehnjährigen Bestehens der Stiftung Leuchtenburg. Besonderes Highlight wird die Ausstellung "Porzellanwelten Leuchtenburg" werden, die multimedial inszeniert noch nie Dagewesenes wagt: So soll der Besucher auf eine sinnliche Reise geschickt werden und einen besonderen Blick vom 20 Meter langen "Steg der Wünsche" erhalten können. Weitere Details hierzu werden noch nicht verraten und zu gegebener Zeit bekannt gegeben.

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