Schloss Ettersburg

Schloss Ettersburg bei Weimar

Schloss und Park Ettersburg gehören zum UNESCO-Welterbe Klassisches Weimar, das sein 1998 Parks, Schlösser und Gebäudeensembles in und um Weimar umfasst. Diese Bauwerke und Anlagen sind Zeugnisse der Zeit um 1800, als von Dichern, Philosophen und Theologen in Weimar maßgebliche Impulse für die europäische Kultur- und Geistesgeschichte ausgingen. Die Bauwerke und Parkanlagen wurden nach den Ideen und Idealen ihrer Zeit errichtet und tragen diese bis in unsere Gegenwart.

Das Jagdschloss Ettersburg wurde auf den Fundamenten eines 1525 zerstörten Augustiner-Klosters zwischen 1706 und 1712 erbaut. Herzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar ließ sich von Johann Mützel eine dreiflügelige Anlage auf dem waldreichen Ettersberg errichten. Johann Sebastian Bach spielte zur Eröffnung im Festsaal des Alten Schlosses. Das extravagante Neue Schloss kam als Solitärbau ab 1772 an der südlichen Parkseite hinzu. Es erhielt später eine repräsentative Freitreppe zum Park.

Zwischen 1776 und 1781 war es Herzoginmutter Anna Amalia, die Schloss Ettersburg als Sommersitz nutzte und um sich einen Kreis bedeutender Dichter und Denker versammelte. Unter ihnen Johann Wolfgang von Goethe, Gottfried Herder und Christoph Martin Wieland. Anna Amalia ließ 1776 einen Theatersaal im Festsaal des Alten Schlosses errichten. Goethes erste Prosafassung der "Iphigenie auf Tauris" wurde im April 1779 hier aufgeführt: Goethe selbst spielte den Orest. Angezogen von der kreativen Ruhe, die vom Schloss stets ausging, vollendete Friedrich Schiller im Frühjahr 1800 hier sein Drama "Maria Stuart". Napoleon I. und Zar Alexander I. weilten 1808 zu einer großen Jagd auf Schloss Ettersburg.

Der sechs Hektar große Park entstand ab 1842 unter Großherzog Carl Alexander nach Plänen von Carl Eduard Petzold, der auch das Schlossparterre umbaute. Auf Anregung von Fürst Hermann von Pückler-Muskau wurde eine Jagdschneise zum "Pücklerschlag" erweitert, welche heute den Schlosspark dominiert. Carl Alexander knüpfte an den Musenhof der Klassik an, indem er Künstler seiner Zeit wie Hans Christian Andersen, Emanuel Geibel, Friedrich Hebbel und Franz Liszt nach Ettersburg einlud.

Von 1923 bis 1945 war im Schloss ein reformpädagogisches Landeserziehungsheim der Hermann-Lietz-Stiftung untergebracht. Die Nationalsozialisten errichteten 1737 das Konzentrationslager Buchenwald in wenigen Kilometern Entfernung. Nach dem Krieg diente das Schloss zunächst als Offizierschule und Ausbildungsstätte, dann bis 1979 als Alten- und Pflegeheim. In den 1980er Jahren verfiel das Schloss und wurde nur durch privates Engagement vor dem totalen Verfall bewahrt.

Ab 2006 wurde das Schloss durch das BiW Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen e. V., seither Pächter der Gebäude, umfassend saniert. Das Schloss beherbergt heute die Bauhaus-Akademie Schloss Ettersburg gGmbH und die Demokratie-Stiftung Schloss Ettersburg, wird als Tagungs- und Veranstaltungsort mit einem vielfältigen Kulturprogramm sowie als Hotel und Restaurant genutzt.



© Text & historische Ansichten: Klassik Stiftung Weimar,
Fotos: Henry Czauderna (Thüringen.info)

Kontakt

Schloss Ettersburg

Am Schloss 1
99439 Ettersburg

Bilder

Schloss Ettersburg bei Weimar
Ansicht von Schloss Ettersburg im 19. Jh.
A. Schenk, Ettersburg bei Weimar, 1847
Park Ettersburg
Rückseite vom Schloss Ettersburg
Tagungsbereich mit Hotel Ettersburg
Schlosskirche St. Justinus und Laurentius

Lage



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